Was es braucht, um erfolgreich mit Anzahlung
zu arbeiten
1. Mindset: Die Suche als Wert anerkennen
Erfolgsbasiert arbeitende Berater sind oft so geprägt, dass sie Erfolg nur dann als Erfolg definieren, wenn ein Kandidat vermittelt wurde. Dem ganzen Aufwand davor, von der Positionsbesprechung, Sourcing, über die Kandidatenansprache, Feedbackschleifen bis zur Prozessbegleitung, wird kein Wert beigemessen.
Das ist ein Problem. Denn wenn du selbst denkst, dass diese Arbeit nichts wert ist, wie willst du dann einen Kunden davon überzeugen, dafür zu zahlen?
Frag dich mal ehrlich: Welche andere Branche investiert 15 bis 20 Stunden Arbeit, ohne dafür Geld zu bekommen? Selbst in Branchen, in denen der Anbieter in Vorleistung geht, wie bei Speditionen oder Immobilienmaklern, schickt der Auftraggeber nur einen Dienstleister los und nicht mehrere gleichzeitig. In der erfolgsbasierten Personalvermittlung ist genau das aber oft der Fall.
2. Strukturierter Verkaufsprozess
Der Verkaufsprozess bei mandatierten Projekten ist wesentlich anspruchsvoller als bei erfolgsbasierter Arbeit. Beim erfolgsbasierten Modell ist alles unverbindlich. Du trägst das volle Risiko. Der Kunde gar keins. Verkäuferisch ist das ein No-Brainer.
Bei der Anzahlung muss der Kunde vorab Geld in die Hand nehmen. Das erfordert Vertrauen. Dieses Vertrauen baust du nicht in einem 15-minütigen Telefonat auf, in dem du nebenbei erwähnst, dass du eine Anzahlung brauchst.
Es braucht einen strukturierten Prozess. Dabei müssen für die einzelnen Schritte konkrete Ziele und Gesprächsinhalte definiert werden, um den Kunden in der Entscheidungsfindung die richtigen Impulse zur richtigen Zeit zu geben.
3. Die Dienstleistung konkret definieren und argumentieren können
Pauschale Argumente wie „Wir kümmern uns exklusiv um Ihre Suche” oder „Sie stehen auf der Prio-Liste ganz oben” reichen nicht aus. Der Kunde will konkret wissen:
- Was bekomme ich für mein Geld?
- Was machst du als Dienstleister, was ich nicht selbst schon gemacht habe oder machen könnte?
- Wie unterscheidet sich das Vorgehen im Vergleich zu anderen Dienstleistern?
- Was passiert, wenn kein Kandidat gefunden wird?
Wenn du das gut kommunizierst, gehören folgende Einwände der Vergangenheit an:
- “Das machen die anderen auch.”
- “Wir arbeiten nur erfolgsbasiert.”
- “Wir zahlen nichts vorab. Am Ende bekommen wir nichts dafür!”
Übrigens: Wenn du ins mandatierte Geschäft wechselst, kann es sich lohnen, auch sprachlich neue Akzente zu setzen. Begriffe wie „Suchpauschale” vermitteln den Wert deiner Dienstleistung oft besser als das Wort “Retainer” oder „Anzahlung”, welche bei vielen Kunden sofort Widerstand auslösen.
4. Kompetenz als Berater entwickeln
Dieser Punkt wird häufig unterschätzt: Wer mandatiert arbeitet, muss fachlich auf Top-Niveau sein. Der Kunde geht in Vorleistung und erwartet dafür eine professionelle Abwicklung auf höchstem Niveau.
Das bedeutet konkret: Deine Recruiting-Skills müssen exzellent sein – von der Direktansprache über die Kandidatenqualifizierung bis hin zur Interviewführung. Du brauchst Kompetenz in der Projektsteuerung, um auch komplexe Suchprojekte über Wochen und Monate sauber zu managen. Du musst schwierige Gespräche souverän führen können, etwa wenn sich der Markt anders darstellt als vom Kunden erwartet. Zudem brauchst du echte Beratungskompetenz, um Erwartungshaltungen zu managen und den Kunden durch den gesamten Prozess zu begleiten.
Kurz gesagt: Mandatierte Arbeit erfordert nicht nur bessere Verkaufsfähigkeiten, sondern ein grundlegend höheres Kompetenzniveau über die komplette Phase der Dienstleistung hinweg.